Meine Zukunft des Rollenspiels.

von Thorsten Kuhnert

Rollenspiel gestern, heute und morgen...

Ich spiele schon seitdem ich 16 Jahre alt bin Pen-&-Paper Rollenspiele. Kennengelernt durch Freunde habe ich bei Kumpels im Zimmer gesessen, habe Erdnussflips oder Chips gefuttert und meine für mich bis dahin absolut neuartigen Würfel betrachtet.

W4, W8, W10, W12 und W20 Würfel waren bis zu diesem Tag für mich völlig neu. Ich kannte nur die Würfel, mit denen wir zuhause Mensch-Ärgere-Dich-Nicht oder Kniffel gespielt haben. Aber völlig überfordert war ich bis dahin noch nicht. Erst als mein Freund angefangen hatte, mit mir meinen Ersten Charakter zu erschaffen wurde es interessant.

Attribute, Fähigkeiten, Talente, Trefferpunkte, Lebenspunkte, Manapunkte und ich weiß nicht was noch alles für Punkte und Werte. Es kam mir vor als wenn eine Flut von Fachausdrücken mich überschwemmt und ich den Sinn dieses Hobby's aus den Augen verliere. Kein Wunder. Ich war der Neue und ich musste mir erst einen Einduck darüber verschaffen.

„Jesus ist das kompliziert!“

Kaum gedacht, schon über die Lippen gebracht. Mein Kumpel guckte mir fragend in die Augen und bot mir an alles genau durchzusprechen, wenn die Zeit reif wäre. Ich begnügte mich damit vorerst und wir gingen jeden einzelnen Part der Charaktererschaffung durch. Insgesamt haben wir knapp eine Stunde gebraucht. Ich hatte mir einen Barbaren ausgesucht (etwas Besseres fiel mir halt gerade nicht ein bzw. das war zu der Zeit, als ich die Conan-Filme gesehen hatte - na? Merkste watt?).

Das Ergebnis war nicht unbedingt passend. Wir haben damals noch die Attribute ausgewürfelt (fucking Zufallsprinzip!). Mein Barbar hatte eine durchschnittliche Körperkraft. Konnte aber von der Intelligenz her locker mit Pythagoras oder Albert Einstein mithalten.

Als wir fertig waren dachte ich es würde jetzt brachial losgehen. Aufgeregt setzte ich mich nochmal anständig hin und blickte auf den Tisch.

Würfel? - Check!
Charakterblatt? - Check!
Stift? - Check!

Alles war bereit in unendlich spannende Abenteuer zu stürzen. Ich würde miese Schurken bekämpfen, Aufträge erfüllen, Gold sammeln, meinen Charakter ausstaffieren und über kurz oder lang einen legendären Helden verkörpern. Doch nach einer kurzen Erörterung der Szenerie, kam von meinem Kumpel nur:

„Ja dann, was machst du?“

Hä? Ich sitze hier und er will von mir wissen was jetzt passiert? Da begriff ich, was es heißt Pen-&-Paper Rollenspiele zu spielen. Fantasie allein genügt nicht immer, sondern die eigene Persönlichkeit, auf mehr oder minder fremde Menschen zugehen zu können. Das ist die Erfolgsregel.

Ein Spieler oder erst einmal ein Interessent, der nicht in der Lage ist, sich darauf einzulassen, mit jemandem aus Fleisch und Blut zu interagieren, wird es schwer haben.

Ich denke das ist das Problem von heute und wenn wir nichts dagegen tun, auch das Problem von morgen. Als in den 80er Jahren ein regelrechter Boom ausgelöst wurde, war die Computerspielindustrie noch nicht soweit wie heute. Damals gab es zwar auch Fantasy- und Science-Fictionspiele, aber die waren überschaubar. Verhältnismäßig wenig Tiefgang und nachdem diese durchgespielt waren sowieso langweilig.

Heute werden Spiele auf den Markt gebracht, wo die Spielwelt verhältnismäßig größer ist als vielleicht 30 Fußballfelder und mehr. Es werden Abenteuer gestrickt, die einfach oder schwer sind. Der Spieler kann das alles, schön zurückgezogen von der Außenwelt, am heimischen PC erleben und dort seine Abenteuer nackt in Unterhosen bestreiten, ohne Gefahr zu laufen sich zu blamieren. Ich will nicht behaupten, dass ich niemals solche Spiele gespielt habe oder in Zukunft spielen werde. Aber jeder muss sich dabei im Klaren sein, dass sich unsere Gesellschaft verändert hat.

Leider viel zu selten höre ich von Menschen, die regelmäßig mit ihren Freunden einen Spieleabend machen. Siedeln, Monopoly oder einfach nur Kartenspiele haben in den letzten Jahren stark an Reiz verloren.

Genau deshalb ist es Wichtig das Rollenspiel in seiner ganzen Pracht wieder auf die „To-Do-Liste“ der Menschen zu bringen. Aber bitte nicht als Hausierer, der von Tür zu Tür wandert, klingelt und mit einem aufgesetzten Grinsen versucht, Menschen von seinem Hobby zu überzeugen. Menschen sind von Natur aus Neugierig und hinterfragen gerne. Also bitte. Ich denke das Rollenspiele, obgleich Pen-&-Paper, Table-Top oder Storytelling nur dann einen weiteren Schub bekommen, wenn wir anfangen unser Hobby mit anderen öffentlich zu teilen. Den Menschen zeigen, das Abenteuer, Heldenmut und fantastische Reisen in deren Fantasie viel aufregender und vielfältiger sind als Computerspiele.

Computerspiele geben immer einen gewissen Spielrahmen vor und können niemals echte Freiheit bieten. Auf meinen Internetseiten können Außenstehende einen Einblick bekommen, sie können sich meine Rollenspiele günstig kaufen Inhalte downloaden, Fragen stellen, bei den Episoden „Letztens beim Rollenspiel“ lachen und merken, welchen Spaß es macht, wieder mal mit Menschen zusammen zu spielen und nicht immer nur vor dem PC zu hocken.

Wir dürfen nur nicht den Fehler machen und uns vor solchen Menschen verschließen. Gerade solche Veranstaltungen wie Conventions oder Messen, sind Publikumsmagneten und ein Garant dafür anderen unser Hobby näher zu bringen. Viele haben die Magie der Sache vergessen und jeder von uns kann was dafür tun, damit das Rollenspiel wiederentdeckt wird, als das was es ist…

Ein menschenverbindendes Hobby.

In diesem Sinne - Euer Thorsten

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